HEIZUNGSERNEUERUNG KANN TEUER WERDEN

Dirk Lebon, Diplomingenieur, Photovoltaik Sachverständiger, Kassel, Hessen.05-01-2015 / Dirk Lebon im Interview mit "Immobilien - Finanzen - Kredite"

Dirk Lebon (Foto) bearbeitet als Sachverständiger für Haustechnik,  Gutachter für Photovoltaik und Mitglied der Deutschen Sachverständigen Gesellschaft (DESAG) ein breites Themenfeld  rund um private und gewerbliche Immobilien und deren Bewertung.

Herr Lebon,  worauf sollten vor allem private Immobilienkäufer aus Ihrer Sicht verstärkt achten?

In den prosperierenden Städten treibt die ungebrochen hohe Nachfrage die Immobilienpreise.  Private Käufer suchen daher vielfach am Rande der Ballungsräume, wo Immobilien vergleichsweise günstig zu haben sind. Gerade bei „Schnäppchen“ ist Vorsicht geboten, vielfach ist hier der Sanierungsstau, gerade im Bereich der Haustechnik erheblich, finden sich jahrzehntealte Ölheizungen oder heute völlig unwirtschaftliche elektrische Speicherheizungen. Dabei kann schon eine zeitgemäße Heizungserneuerung für ein Einfamilienhaus leicht  30.000 – 40.000 Euro kosten. Wer das vor dem Hauskauf bedenkt, ist gut beraten – und für eventuelle Kaufverhandlungen gut gerüstet.

Ein Gutachten kann Klarheit schaffen?

Wenn der Gutachter tätig wird, ist es meist schon zum Streit gekommen. Ich empfehle, die Immobilien in der engeren Wahl in sachkundiger Begleitung zu besichtigen. Ältere Immobilien sind oft mehrmals - und nicht selten ohne Fachbetrieb - teilsaniert. Ob die Wunschimmobilie nur ein paar Schönheitsreparaturen braucht, erheblicher Sanierungsstau besteht oder einzig eine Kernsanierung wirtschaftlich vertretbar ist, kann kaum ein privater Käufer objektiv einschätzen.

Immer häufiger werden Immobilien mit Solaranlage angeboten. Was sollten Käufer hier zu bedenken?

Prinzipiell ist zwischen Solarthermie, meist zur Heizungsunterstützung, und Solarstrom, also Photovoltaik zur Stromerzeugung, zu unterscheiden. Solarthermische Anlagen mögen den künftigen Bewohnern Heizkosten einsparen helfen, erhöhen aber den Immobilienwert meist nicht. Bei der Photovoltaik hingegen muss jeder Einzelfall gesondert betrachtet werden. Denn PV-Anlagen zur Stromerzeugung und Einspeisung ins öffentliche Netz, wie sie in den letzten Jahren hundertausendfach öffentlich gefördert auf privaten Immobilien installiert wurden, sind genau genommen Gewerbebetriebe. Photovoltaikanlagen werden vom Erwerber oft inklusive Übertragung der Förderung übernommen. Welchen Wert eine PV-Anlage zum jeweiligen Zeitpunkt darstellt, mit welchen Erträgen in der Zukunft realistisch gerechnet werden kann, kann oft nur ein Gutachten im Detail aufzeigen.

Wir dachten, beim Immobilienkauf gilt die Devise „Lage, Lage, Lage“?

Wer eine Immobilie vor allem als Kapitalanlage oder Instrument der Alterssicherung sieht, für den mag diese Grundregel der Immobilienwirtschaft gelten. Wer hingegen eine Immobilie zur Selbstnutzung kauft, folgt anderen Kriterien und hat individuelle Ansprüche. Er sucht einen Ort des Wohlbefindens für sich und seine Familie, will langgehegte Wünsche realisieren. Zugleich darf die künftige Traumimmobilie die eigene Leistungsfähigkeit auch mittel- und langfristig nicht überfordern. Die meisten Menschen kaufen in ihrem Leben nur einmal eine Immobilie. Gut beraten ist man dabei auf jeden Fall auf der sicheren Seite.

Interview vom 05.01.2015 mit
www.immobilien-finanzen-kredite.de